Islamischer Religionsunterricht

29/07/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Zähmung nach Plan

Islamischer Religionsunterricht wird in einigen Bundesländern reguläres Schulfach. Die Islamwissenschaftlerin Nimet Seker meint: Integration kann kein Lernziel sein.

„Es scheint fast ein Naturgesetz zu sein: Wo vom Islam die Rede ist, wird automatisch auch von Integration gesprochen. Ein Leitgedanke dabei ist: Muslime, in diesem Fall muslimische Kinder im Religionsunterricht, müssen integriert werden. Der Islam in Deutschland ist aber längst keine Migrantenreligion mehr. Im islamischen Religionsunterricht sitzen auch muslimische Kinder von deutschen Eltern. Man würde ihnen großes Unrecht tun, sie im Religionsunterricht mit „Integrationsfragen“ zu konfrontieren. Aus Sicht von Religionspädagogen wäre es vermutlich sogar eine Katastrophe. Der Religionsunterricht darf nicht den ethnisch-religiösen Hintergrund der Schüler zum Anlass nehmen, um über Störfälle in der „Integration“ nachzudenken. Auch politische Fragen sollten aus dem islamischen Religionsunterricht herausgehalten werden. “

Weiter zur Website „Christ und Welt“ (ZEIT)

Eine etwas längere Version des Beitrags ist erschienen auf Qantara.de

Ist der Islam ein Integrationshindernis?

26/03/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Essay

Während die Integrationsdebatte in kulturell verstandenen Dichotomien geführt wird, haben wissenschaftliche Studien herausgefunden: Islamische Religiosität ist kein Hindernis für das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland. Ein Essay im Themenheft „Islam in Deutschland“, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 13-14/2011).

Köln Radyosu

13/11/2009 § 5 Kommentare

Das ist integrationsfeindlich!

Der WDR plant, das türkische Programm von WDR-Funkhaus Europa, das seit 45 Jahren erfolgreich läuft, zu kürzen. Ein Kommentar von Nimet Seker

köln radyosu„Merhaba. Burası Köln Radyosu“. Guten Tag, hier ist Radio Köln. Diesen Satz hören allabendlich pünktlich um 19.30 Uhr die ums Radio versammelten türkischen Familien in Deutschland. Doch jetzt erreicht uns die Nachricht, dass dieses deutschlandweit einzigartige Programm radikal gekürzt werden soll. Das Morgenprogramm zwischen 6.05 Uhr und 7.00 Uhr und die Sendung am Sonntagabend sollen wegfallen. Grund: Der WDR muss sparen.

Aber warum ausgerechnet bei Köln Radyosu?

24 Prozent der Türken in NRW hören täglich Köln Radyosu. Montag bis Freitag. Sonntags werden die Talksendungen „Çılgın“ mit populärer Musik für die Jüngeren und „Cafe Alaturka“ für die Diskussionsfreudigen gesendet. Schon mehrere Male waren die Telefonleitungen so verstopft von Höreranrufen, dass gar nichts mehr ging. An den Quoten kann es also nicht liegen. Dass das Geld knapper wird, mag man auch nicht so recht glauben.

„Burası Köln Radyosu.“ Generationen von Deutsch-Türken sind mit diesem Satz aufgewachsen. Köln Radyosu sprach und spricht zu den Türken in ihrer Sprache, bringt Nachrichten aus der Türkei und Deutschland. Bis zu dem Zeitpunkt da das türkische Satellitenfernsehen die deutsch-türkischen Wohnzimmer erreichte, war Köln Radyosu die Informationsquelle für das Zielpublikum. Und trotz der Konkurrenz der übermächtigen TV-Sender aus der Türkei mit ihrem Unterhaltungsprogramm konnte Köln Radyosu seinen Status in Deutschland wahren und sogar ausbauen.

Köln Radyosu ist bis heute eine Marke geblieben unter den hier lebenden Türken. Köln Radsoyu erfüllt viele wichtige Funktionen: Es fördert vor allem die Integration. Viele der Moderatoren, die die deutsche und türkische Sprache perfekt beherrschen, sind Vorbild für die dritte und vierte Generation. Es spricht das deutsch-türkische Publikum Generationen übergreifend und Generationen verbindend an. Das kann man von den großen Öffentlich-Rechtlichen nicht behaupten.

Egal welche deutsche Zeitung man aufschlägt oder welchen Sender man einschaltet: Überall ist zu hören und zu lesen, die Türken mögen sich doch bitte integrieren. Doch wie soll das gehen, wenn die Politik ihnen falsche Signale schickt, wie bei der Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts, wonach Türken nicht mehr gleichzeitig den deutschen und türkischen Pass besitzen dürfen? Und wie soll das gehen, wenn das einzige noch bleibende Medienangebot in ihrer Sprache, das sich eben nicht an der Türkei, sondern an Deutschland orientiert, nun radikalen Sparplänen zum Opfer fallen soll?

Man darf sich fragen, was anstelle des türkischen Programms gesendet werden soll. Eine gute Stunde lang ein heller Piepton? Das wird es nicht sein. Wiederholungen? Die will niemand hören. Nachrichten und Beiträge auf Deutsch? Die laufen auf Funkhaus Europa ohnehin schon und auch auf genügend anderen Sendern des WDR.

In NRW leben rund eine Million Türken. Sie sind auch Zahler von Rundfunkgebühren. Die Bedürfnisse dieser Menschen können nicht ignoriert werden. Das deutschsprachige Morgenprogramm wird sie weniger interessieren als die Sendungen von Köln Radyosu.

Es war schon ein großer Schock, dass „Radio Multikulti“ in Berlin geschlossen wurde. Eine Kürzung der Sendezeiten von „Köln Radyosu“ wäre ein weiterer Schock. Denn das wäre integrationsfeindlich.

Nimet Seker

www.funkhauseuropa.de/sendungen/koeln_radyosu/index.phtml

 

Dieser Kommentar wurde veröffentlicht auf Gazelle Magazin.

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