Das Frauenmuseum in Istanbul

In Istanbul entsteht zurzeit ein interessantes Museum, das sich „Frauenmuseum“ nennt. Die Website kann auf Türkisch, Englisch, Deutsch und Italienisch gelesen werden. Dort werden interessante Persönlichkeiten vorgstellt, die vor allem im Bereich der Künste und der Publizistik tätig waren. Die Malerin Fahrünnisa Zeid sagte zum Beispiel „Immer, wenn ich male, spüre ich, dass ich mit allen Lebewesen, d.h. mit dem ganzen Universum, das die Summe der stillen Vielfalt der Existenz ist, eine Einheit werde. Dann bin ich nicht mehr ich. Ich werde zu einer Vulkan, der Steine und Feuer ausspuckt. Aus mir heraus springen Bilder, die mich gleichzeitig reinigen. Ich werde ein Teil des Schaffensprozesses.“ Das Bild zeigt ein Selbstporträt von Fahrünnisa Zeid.

http://www.istanbulkadinmuzesi.org/en

Hier gibt es noch einige interessante Informationen zum Lebensstil und zur Biografie dieser Künstlerin: http://www.antikalar.com/v2/konuk/konuk0902.asp

Tölpelhafte Anti-Terrorfahndung

Der neue Roman von Hilal Sezgin beginnt mit einem fiktiven Terroranschlag in Deutschland, der nicht nur das Land, sondern auch die Heldin des Romans tief verunsichert. In einem humorvollen und leichtfüßigen Ton erzählt die deutsch-türkische Schriftstellerin und Kolumnistin vom Zusammenleben in einer nervösen Gesellschaft, die in jedem gläubigen Muslim einen potentiellen Terroristen vermutet. Nimet Seker sprach mit der Autorin.

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Istanbul-Bildband von Ara Güler und Orhan Pamuk

Eine Metropole voller schöner Makel

Jeder hat sie schon einmal irgendwo gesehen: Atmosphärisch dichte Bilder vom Bosporus, die die unverwechselbare Handschrift des legendären Magnum-Fotografen Ara Güler tragen. Ein Bildband präsentiert nun seinen unverfälschten Blick auf ein halbes Jahrhundert Istanbuler Stadtgeschichte. Nimet Seker stellt ihn vor. Mehr…

Die Fotografie im Osmanischen Reich

Angesichts der steigenden Zahl von Bildern in Kunst und populärer Kultur in der islamischen Welt ist die Frage nach dem Bild im Islam neu zu stellen. Diese Arbeit behandelt den Beginn der Verbreitung von bildlichen Darstellungen am Beispiel der Fotografie im Osmanischen Reich. Dazu werden koranische und prophetische Aussagen zum Bilderverbot sowie Gelehrtenpositionen aus dem Mittelalter und dem 20. Jahrhundert diskutiert. Die rasche Verbreitung der Fotografie in den osmanischen Gebieten deutet darauf hin, dass das Bild mit den religiösen Geboten nicht zwangsläufig in Widerspruch stand. Vielmehr ist eine zunehmende Präsenz des Bildes im öffentlichen und privaten Raum im Zuge der gesellschaftlichen und politischen Verwestlichung des 19. Jahrhunderts festzustellen. Dieser Prozess und die Förderung durch die Sultane bereiteten den Erfolg von Fotografen wie Vassilaki Kargopolo, Pascal Sebah, den Abdullah Frères und anderen in Konstantinopel vor. So entstand neben der immensen fotografischen Kollektion von Sultan Abdülhamit II. eine fotografische Porträtkultur, in der die gesellschaftliche Transformation der neuen Bürgerschicht sichtbar ist. Gleichzeitig galten fotografische Porträts in dieser Bourgeoisie als Statusobjekte und waren Kennzeichen einer modernen, westlich orientierten Lebensweise.

Nimet Şeker
Die Fotografie im Osmanischen Reich
Würzburg, Ergon-Verlag, 1. Auflage 2009
100 Seiten mit 14 Abbildungen
Format: 170 x 240 mm. Broschur
€ 18,00 // ISBN 978-3-89913-739-2

„Leyla“ auf Türkisch

„Bu eski zamana ait bir hikâyedir. Ama eski bir hikâye değil. – Dies ist eine Geschichte aus der alten Zeit. Es ist aber keine alte Geschichte.“

Mit diesen Worten beginnt der Roman „Leyla“ von Feridun Zaimoglu. Dem Schriftsteller, der in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen ist. In „Leyla“ erzählt er die Geschichte seiner Mutter in deutscher Sprache. Nun ist der Roman auch auf Türkisch erschienen.

„Heute fällt es schwer, die Aufbruchstimmung des großen goldenen Anfangs zu begreifen“, sagt Zaimoglu, „aber wenn denn den Trümmerfrauen nach dem Krieg zu Recht großer Respekt gezollt wird, ist es auch an der Zeit, diesen großartigen Türkinnen der ersten Stunde den Platz zuzuweisen, den sie verdienen.“

Zaimoglu schildert in „Leyla“ die besondere Leistung dieser Frauen, die bisher sprachlos geblieben waren. In mühsamer Kleinarbeit zeichnete Zaimoglu die Geschichte seiner Mutter auf Tonkassetten auf, und hörte auch anderen Frauen der ersten Generation aufmerksam zu, um auch deren Geschichten in seinem Roman zu verarbeiten.

Elif Şafak: Kâğıt Helva

Nachdem Aşk in der Türkei in kürzester Zeit zum meistverkauften Buch von 2009 wurde, stellt Elif Şafak in ihrem jüngsten Werk Kâğıt Helva eine Zitatsammlung aus all ihren bisherigen Büchern zusammen. Heraus gekommen ist ein Buch, dass interessante Perspektiven auf Şafaks bisheriges Schaffen bietet und Brücken zwischen ihren einzelnen Büchern herstellt.

Şafak erzählt im Interview von der Notwendigkeit der Imaginationskraft und von den trunkenen Zuständen, die sie beim Schreiben erlebt. Şafak bewertet hier auch einen Teil der türkischen Politik im Jahr 2009 (Stichwort „demokratische Öffnung“).