Das Frauenmuseum in Istanbul

In Istanbul entsteht zurzeit ein interessantes Museum, das sich „Frauenmuseum“ nennt. Die Website kann auf Türkisch, Englisch, Deutsch und Italienisch gelesen werden. Dort werden interessante Persönlichkeiten vorgstellt, die vor allem im Bereich der Künste und der Publizistik tätig waren. Die Malerin Fahrünnisa Zeid sagte zum Beispiel „Immer, wenn ich male, spüre ich, dass ich mit allen Lebewesen, d.h. mit dem ganzen Universum, das die Summe der stillen Vielfalt der Existenz ist, eine Einheit werde. Dann bin ich nicht mehr ich. Ich werde zu einer Vulkan, der Steine und Feuer ausspuckt. Aus mir heraus springen Bilder, die mich gleichzeitig reinigen. Ich werde ein Teil des Schaffensprozesses.“ Das Bild zeigt ein Selbstporträt von Fahrünnisa Zeid.

http://www.istanbulkadinmuzesi.org/en

Hier gibt es noch einige interessante Informationen zum Lebensstil und zur Biografie dieser Künstlerin: http://www.antikalar.com/v2/konuk/konuk0902.asp

Köln Radyosu

Das ist integrationsfeindlich!

Der WDR plant, das türkische Programm von WDR-Funkhaus Europa, das seit 45 Jahren erfolgreich läuft, zu kürzen. Ein Kommentar von Nimet Seker

köln radyosu„Merhaba. Burası Köln Radyosu“. Guten Tag, hier ist Radio Köln. Diesen Satz hören allabendlich pünktlich um 19.30 Uhr die ums Radio versammelten türkischen Familien in Deutschland. Doch jetzt erreicht uns die Nachricht, dass dieses deutschlandweit einzigartige Programm radikal gekürzt werden soll. Das Morgenprogramm zwischen 6.05 Uhr und 7.00 Uhr und die Sendung am Sonntagabend sollen wegfallen. Grund: Der WDR muss sparen.

Aber warum ausgerechnet bei Köln Radyosu?

24 Prozent der Türken in NRW hören täglich Köln Radyosu. Montag bis Freitag. Sonntags werden die Talksendungen „Çılgın“ mit populärer Musik für die Jüngeren und „Cafe Alaturka“ für die Diskussionsfreudigen gesendet. Schon mehrere Male waren die Telefonleitungen so verstopft von Höreranrufen, dass gar nichts mehr ging. An den Quoten kann es also nicht liegen. Dass das Geld knapper wird, mag man auch nicht so recht glauben.

„Burası Köln Radyosu.“ Generationen von Deutsch-Türken sind mit diesem Satz aufgewachsen. Köln Radyosu sprach und spricht zu den Türken in ihrer Sprache, bringt Nachrichten aus der Türkei und Deutschland. Bis zu dem Zeitpunkt da das türkische Satellitenfernsehen die deutsch-türkischen Wohnzimmer erreichte, war Köln Radyosu die Informationsquelle für das Zielpublikum. Und trotz der Konkurrenz der übermächtigen TV-Sender aus der Türkei mit ihrem Unterhaltungsprogramm konnte Köln Radyosu seinen Status in Deutschland wahren und sogar ausbauen.

Köln Radyosu ist bis heute eine Marke geblieben unter den hier lebenden Türken. Köln Radsoyu erfüllt viele wichtige Funktionen: Es fördert vor allem die Integration. Viele der Moderatoren, die die deutsche und türkische Sprache perfekt beherrschen, sind Vorbild für die dritte und vierte Generation. Es spricht das deutsch-türkische Publikum Generationen übergreifend und Generationen verbindend an. Das kann man von den großen Öffentlich-Rechtlichen nicht behaupten.

Egal welche deutsche Zeitung man aufschlägt oder welchen Sender man einschaltet: Überall ist zu hören und zu lesen, die Türken mögen sich doch bitte integrieren. Doch wie soll das gehen, wenn die Politik ihnen falsche Signale schickt, wie bei der Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts, wonach Türken nicht mehr gleichzeitig den deutschen und türkischen Pass besitzen dürfen? Und wie soll das gehen, wenn das einzige noch bleibende Medienangebot in ihrer Sprache, das sich eben nicht an der Türkei, sondern an Deutschland orientiert, nun radikalen Sparplänen zum Opfer fallen soll?

Man darf sich fragen, was anstelle des türkischen Programms gesendet werden soll. Eine gute Stunde lang ein heller Piepton? Das wird es nicht sein. Wiederholungen? Die will niemand hören. Nachrichten und Beiträge auf Deutsch? Die laufen auf Funkhaus Europa ohnehin schon und auch auf genügend anderen Sendern des WDR.

In NRW leben rund eine Million Türken. Sie sind auch Zahler von Rundfunkgebühren. Die Bedürfnisse dieser Menschen können nicht ignoriert werden. Das deutschsprachige Morgenprogramm wird sie weniger interessieren als die Sendungen von Köln Radyosu.

Es war schon ein großer Schock, dass „Radio Multikulti“ in Berlin geschlossen wurde. Eine Kürzung der Sendezeiten von „Köln Radyosu“ wäre ein weiterer Schock. Denn das wäre integrationsfeindlich.

Nimet Seker

www.funkhauseuropa.de/sendungen/koeln_radyosu/index.phtml

 

Dieser Kommentar wurde veröffentlicht auf Gazelle Magazin.

Jürgen W. Frembgen: Am Schrein des roten Sufi

BuchtitelIm Kernland der islamischen Mystik, der Provinz Sindh in Pakistan, wird alljährlich ein dionysisches Fest gefeiert: ein einwöchiger Exzess rauschhafter Spiritualität zu Ehren des roten Sufi, des mythenumrankten Wunderheiligen Lal Schahbas Qalandar (gest. 1274).
Der Islamwissenschaftler und Ethnologe Jürgen Wasim Frembgen macht sich von Lahore aus auf den Weg, das fremdartige Spektakel an den vor Menschenmassen brodelnden heiligen Stätten in Sehwan Scharif mitzuerleben. Sein Erzählbericht zeigt ein hierzulande wenig beachtetes, freudvolles Gesicht des Islam, geprägt von Toleranz, Gemeinschaftsgefühl, Rausch und Hingabe.

Spannend und farbig schildert der Forscher seine Begegnungen mit skurrilen heiligen Männern, Trancetänzerinnen und Hidschra-Transvestiten, er berichtet von seinem strapaziösen Aufenthalt im Zelt der Wanderderwische, von Orten der Huldigung und Orten abseits der Pilgerströme und schließlich vom eigenen Hineingezogenwerden in den musikalischen, archaischen, spirituellen Sog der gemeinschaftlichen Ekstase. Es entsteht ein Sittengemälde islamischen Volksglaubens von bleibender Eindrücklichkeit.

Eine Reise in die Welt der Qalandariyya