Tölpelhafte Anti-Terrorfahndung

Der neue Roman von Hilal Sezgin beginnt mit einem fiktiven Terroranschlag in Deutschland, der nicht nur das Land, sondern auch die Heldin des Romans tief verunsichert. In einem humorvollen und leichtfüßigen Ton erzählt die deutsch-türkische Schriftstellerin und Kolumnistin vom Zusammenleben in einer nervösen Gesellschaft, die in jedem gläubigen Muslim einen potentiellen Terroristen vermutet. Nimet Seker sprach mit der Autorin.

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Istanbul-Bildband von Ara Güler und Orhan Pamuk

Eine Metropole voller schöner Makel

Jeder hat sie schon einmal irgendwo gesehen: Atmosphärisch dichte Bilder vom Bosporus, die die unverwechselbare Handschrift des legendären Magnum-Fotografen Ara Güler tragen. Ein Bildband präsentiert nun seinen unverfälschten Blick auf ein halbes Jahrhundert Istanbuler Stadtgeschichte. Nimet Seker stellt ihn vor. Mehr…

„Leyla“ auf Türkisch

„Bu eski zamana ait bir hikâyedir. Ama eski bir hikâye değil. – Dies ist eine Geschichte aus der alten Zeit. Es ist aber keine alte Geschichte.“

Mit diesen Worten beginnt der Roman „Leyla“ von Feridun Zaimoglu. Dem Schriftsteller, der in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen ist. In „Leyla“ erzählt er die Geschichte seiner Mutter in deutscher Sprache. Nun ist der Roman auch auf Türkisch erschienen.

„Heute fällt es schwer, die Aufbruchstimmung des großen goldenen Anfangs zu begreifen“, sagt Zaimoglu, „aber wenn denn den Trümmerfrauen nach dem Krieg zu Recht großer Respekt gezollt wird, ist es auch an der Zeit, diesen großartigen Türkinnen der ersten Stunde den Platz zuzuweisen, den sie verdienen.“

Zaimoglu schildert in „Leyla“ die besondere Leistung dieser Frauen, die bisher sprachlos geblieben waren. In mühsamer Kleinarbeit zeichnete Zaimoglu die Geschichte seiner Mutter auf Tonkassetten auf, und hörte auch anderen Frauen der ersten Generation aufmerksam zu, um auch deren Geschichten in seinem Roman zu verarbeiten.

Elif Şafak: Kâğıt Helva

Nachdem Aşk in der Türkei in kürzester Zeit zum meistverkauften Buch von 2009 wurde, stellt Elif Şafak in ihrem jüngsten Werk Kâğıt Helva eine Zitatsammlung aus all ihren bisherigen Büchern zusammen. Heraus gekommen ist ein Buch, dass interessante Perspektiven auf Şafaks bisheriges Schaffen bietet und Brücken zwischen ihren einzelnen Büchern herstellt.

Şafak erzählt im Interview von der Notwendigkeit der Imaginationskraft und von den trunkenen Zuständen, die sie beim Schreiben erlebt. Şafak bewertet hier auch einen Teil der türkischen Politik im Jahr 2009 (Stichwort „demokratische Öffnung“).

Jürgen W. Frembgen: Am Schrein des roten Sufi

BuchtitelIm Kernland der islamischen Mystik, der Provinz Sindh in Pakistan, wird alljährlich ein dionysisches Fest gefeiert: ein einwöchiger Exzess rauschhafter Spiritualität zu Ehren des roten Sufi, des mythenumrankten Wunderheiligen Lal Schahbas Qalandar (gest. 1274).
Der Islamwissenschaftler und Ethnologe Jürgen Wasim Frembgen macht sich von Lahore aus auf den Weg, das fremdartige Spektakel an den vor Menschenmassen brodelnden heiligen Stätten in Sehwan Scharif mitzuerleben. Sein Erzählbericht zeigt ein hierzulande wenig beachtetes, freudvolles Gesicht des Islam, geprägt von Toleranz, Gemeinschaftsgefühl, Rausch und Hingabe.

Spannend und farbig schildert der Forscher seine Begegnungen mit skurrilen heiligen Männern, Trancetänzerinnen und Hidschra-Transvestiten, er berichtet von seinem strapaziösen Aufenthalt im Zelt der Wanderderwische, von Orten der Huldigung und Orten abseits der Pilgerströme und schließlich vom eigenen Hineingezogenwerden in den musikalischen, archaischen, spirituellen Sog der gemeinschaftlichen Ekstase. Es entsteht ein Sittengemälde islamischen Volksglaubens von bleibender Eindrücklichkeit.

Eine Reise in die Welt der Qalandariyya