Das Frauenmuseum in Istanbul

In Istanbul entsteht zurzeit ein interessantes Museum, das sich „Frauenmuseum“ nennt. Die Website kann auf Türkisch, Englisch, Deutsch und Italienisch gelesen werden. Dort werden interessante Persönlichkeiten vorgstellt, die vor allem im Bereich der Künste und der Publizistik tätig waren. Die Malerin Fahrünnisa Zeid sagte zum Beispiel „Immer, wenn ich male, spüre ich, dass ich mit allen Lebewesen, d.h. mit dem ganzen Universum, das die Summe der stillen Vielfalt der Existenz ist, eine Einheit werde. Dann bin ich nicht mehr ich. Ich werde zu einer Vulkan, der Steine und Feuer ausspuckt. Aus mir heraus springen Bilder, die mich gleichzeitig reinigen. Ich werde ein Teil des Schaffensprozesses.“ Das Bild zeigt ein Selbstporträt von Fahrünnisa Zeid.

http://www.istanbulkadinmuzesi.org/en

Hier gibt es noch einige interessante Informationen zum Lebensstil und zur Biografie dieser Künstlerin: http://www.antikalar.com/v2/konuk/konuk0902.asp

Horizonte 2: Al-Ghazali

Editorial

Nach monatelangem Warten ist sie endlich fertig: In dieser zweiten Ausgabe von HORIZONTE widmen wir uns dem Denken und Wirken des großen Gelehrten Abu Hamid Muhammad al-Ghazali. Am 19. Dezember jährt sich sein Todestag zum 900. Mal.  Das Erbe dieses großen Gelehrten lässt sich auf wenigen Seiten natürlich niemals ausschöpfend behandeln, sondern lediglich anreißen. Bei der Planung des Hefts ergab sich al-Ghazalis Erkenntnislehre als Schwerpunktthema von selbst. Vielleicht ist dies als Hinweis auf die Entstehung des Fachs Islamische Theologie an deutschen Universitäten zu verstehen – einer unserer Autoren etwa sieht eine Familienähnlichkeit zwischen den religiösen Diskursen in al-Ghazalis Zeit und unserer, in der wir auch zunächst grundlegende Diskussionen um die Fundamente einer in Deutschland verankerten akademischen islamischen Lehre führen müssen. Genauso wie al-Ghazali in seinem Hauptwerk „Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften“ die religiösen Diskurse als erster überhaupt sortiert und ihre Grenzen aufzeigt, steht die akademische islamische Lehre vor der Herausforderung, die bestehenden Diskurse zu rezipieren und zu sortieren, um sich selbst verorten zu können.

Der christlich-muslimische Dialog ist zu einer Art Mode verkommen. Dabei betont der Begriff „Dialog“ mehr das Trennende als das Verbindende, denn er setzt zwei gegensätzlich geprägte kulturelle Kollektive voraus. Kann man das auch für die jüdische und islamische Tradition sagen? „Jede zeitgenössische Beschäftigung mit der engen Berührung jüdischer und islamischer Traditionen bedeutet eine radikale Inversion der politischen Landschaft“, meint die Kuratorin und Philosophin Almut Sh. Bruckstein Çoruh im Interview mit HORIZONTE.

Bevor das Heft mit den Interviews von drei Nachwuchswissenschaftlern am von der Stiftung Mercator initiierten Graduiertenkolleg Islamische Theologie abschließt, meldet sich eine kritische muslimische Stimme zum umstrittenen Netzwerk um den türkischen Prediger Fethullah Gülen zu Wort. An dieser Stelle sei gesagt, dass die Artikel nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben und es die Möglichkeit gibt, auf einzelne Beiträge Repliken zu schreiben.

Wer nach der Lektüre der philosophischen Texte das Heft erschöpft aus der Hand legt, sei auf die nächsten geplanten Ausgaben der HORIZONTE verwiesen. Denn in Zukunft sollen mehr gesellschaftspolitische Themen behandelt werden: HORIZONTE strebt eine Partizipation muslimischer Intellektueller an den Debatten der Mehrheitsgesellschaft an. Autoren, sowohl nicht-muslimische als auch muslimische, sind eingeladen, Beiträge einzureichen.

Bestellen Sie die HORIZONTE per Mail beim Kalam-Verlag (info at kalam-verlag.de) oder mit Angabe der ISSN 2192-3647 im Buchhandel. Am Besten aber, Sie schließen gleich ein Abonnement ab!

Istanbul-Bildband von Ara Güler und Orhan Pamuk

Eine Metropole voller schöner Makel

Jeder hat sie schon einmal irgendwo gesehen: Atmosphärisch dichte Bilder vom Bosporus, die die unverwechselbare Handschrift des legendären Magnum-Fotografen Ara Güler tragen. Ein Bildband präsentiert nun seinen unverfälschten Blick auf ein halbes Jahrhundert Istanbuler Stadtgeschichte. Nimet Seker stellt ihn vor. Mehr…

„Leyla“ auf Türkisch

„Bu eski zamana ait bir hikâyedir. Ama eski bir hikâye değil. – Dies ist eine Geschichte aus der alten Zeit. Es ist aber keine alte Geschichte.“

Mit diesen Worten beginnt der Roman „Leyla“ von Feridun Zaimoglu. Dem Schriftsteller, der in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen ist. In „Leyla“ erzählt er die Geschichte seiner Mutter in deutscher Sprache. Nun ist der Roman auch auf Türkisch erschienen.

„Heute fällt es schwer, die Aufbruchstimmung des großen goldenen Anfangs zu begreifen“, sagt Zaimoglu, „aber wenn denn den Trümmerfrauen nach dem Krieg zu Recht großer Respekt gezollt wird, ist es auch an der Zeit, diesen großartigen Türkinnen der ersten Stunde den Platz zuzuweisen, den sie verdienen.“

Zaimoglu schildert in „Leyla“ die besondere Leistung dieser Frauen, die bisher sprachlos geblieben waren. In mühsamer Kleinarbeit zeichnete Zaimoglu die Geschichte seiner Mutter auf Tonkassetten auf, und hörte auch anderen Frauen der ersten Generation aufmerksam zu, um auch deren Geschichten in seinem Roman zu verarbeiten.