Horizonte 2: Al-Ghazali

22/12/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Editorial

Nach monatelangem Warten ist sie endlich fertig: In dieser zweiten Ausgabe von HORIZONTE widmen wir uns dem Denken und Wirken des großen Gelehrten Abu Hamid Muhammad al-Ghazali. Am 19. Dezember jährt sich sein Todestag zum 900. Mal.  Das Erbe dieses großen Gelehrten lässt sich auf wenigen Seiten natürlich niemals ausschöpfend behandeln, sondern lediglich anreißen. Bei der Planung des Hefts ergab sich al-Ghazalis Erkenntnislehre als Schwerpunktthema von selbst. Vielleicht ist dies als Hinweis auf die Entstehung des Fachs Islamische Theologie an deutschen Universitäten zu verstehen – einer unserer Autoren etwa sieht eine Familienähnlichkeit zwischen den religiösen Diskursen in al-Ghazalis Zeit und unserer, in der wir auch zunächst grundlegende Diskussionen um die Fundamente einer in Deutschland verankerten akademischen islamischen Lehre führen müssen. Genauso wie al-Ghazali in seinem Hauptwerk „Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften“ die religiösen Diskurse als erster überhaupt sortiert und ihre Grenzen aufzeigt, steht die akademische islamische Lehre vor der Herausforderung, die bestehenden Diskurse zu rezipieren und zu sortieren, um sich selbst verorten zu können.

Der christlich-muslimische Dialog ist zu einer Art Mode verkommen. Dabei betont der Begriff „Dialog“ mehr das Trennende als das Verbindende, denn er setzt zwei gegensätzlich geprägte kulturelle Kollektive voraus. Kann man das auch für die jüdische und islamische Tradition sagen? „Jede zeitgenössische Beschäftigung mit der engen Berührung jüdischer und islamischer Traditionen bedeutet eine radikale Inversion der politischen Landschaft“, meint die Kuratorin und Philosophin Almut Sh. Bruckstein Çoruh im Interview mit HORIZONTE.

Bevor das Heft mit den Interviews von drei Nachwuchswissenschaftlern am von der Stiftung Mercator initiierten Graduiertenkolleg Islamische Theologie abschließt, meldet sich eine kritische muslimische Stimme zum umstrittenen Netzwerk um den türkischen Prediger Fethullah Gülen zu Wort. An dieser Stelle sei gesagt, dass die Artikel nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben und es die Möglichkeit gibt, auf einzelne Beiträge Repliken zu schreiben.

Wer nach der Lektüre der philosophischen Texte das Heft erschöpft aus der Hand legt, sei auf die nächsten geplanten Ausgaben der HORIZONTE verwiesen. Denn in Zukunft sollen mehr gesellschaftspolitische Themen behandelt werden: HORIZONTE strebt eine Partizipation muslimischer Intellektueller an den Debatten der Mehrheitsgesellschaft an. Autoren, sowohl nicht-muslimische als auch muslimische, sind eingeladen, Beiträge einzureichen.

Bestellen Sie die HORIZONTE per Mail beim Kalam-Verlag (info at kalam-verlag.de) oder mit Angabe der ISSN 2192-3647 im Buchhandel. Am Besten aber, Sie schließen gleich ein Abonnement ab!

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