Köln Radyosu

13/11/2009 § 5 Kommentare

Das ist integrationsfeindlich!

Der WDR plant, das türkische Programm von WDR-Funkhaus Europa, das seit 45 Jahren erfolgreich läuft, zu kürzen. Ein Kommentar von Nimet Seker

köln radyosu„Merhaba. Burası Köln Radyosu“. Guten Tag, hier ist Radio Köln. Diesen Satz hören allabendlich pünktlich um 19.30 Uhr die ums Radio versammelten türkischen Familien in Deutschland. Doch jetzt erreicht uns die Nachricht, dass dieses deutschlandweit einzigartige Programm radikal gekürzt werden soll. Das Morgenprogramm zwischen 6.05 Uhr und 7.00 Uhr und die Sendung am Sonntagabend sollen wegfallen. Grund: Der WDR muss sparen.

Aber warum ausgerechnet bei Köln Radyosu?

24 Prozent der Türken in NRW hören täglich Köln Radyosu. Montag bis Freitag. Sonntags werden die Talksendungen „Çılgın“ mit populärer Musik für die Jüngeren und „Cafe Alaturka“ für die Diskussionsfreudigen gesendet. Schon mehrere Male waren die Telefonleitungen so verstopft von Höreranrufen, dass gar nichts mehr ging. An den Quoten kann es also nicht liegen. Dass das Geld knapper wird, mag man auch nicht so recht glauben.

„Burası Köln Radyosu.“ Generationen von Deutsch-Türken sind mit diesem Satz aufgewachsen. Köln Radyosu sprach und spricht zu den Türken in ihrer Sprache, bringt Nachrichten aus der Türkei und Deutschland. Bis zu dem Zeitpunkt da das türkische Satellitenfernsehen die deutsch-türkischen Wohnzimmer erreichte, war Köln Radyosu die Informationsquelle für das Zielpublikum. Und trotz der Konkurrenz der übermächtigen TV-Sender aus der Türkei mit ihrem Unterhaltungsprogramm konnte Köln Radyosu seinen Status in Deutschland wahren und sogar ausbauen.

Köln Radyosu ist bis heute eine Marke geblieben unter den hier lebenden Türken. Köln Radsoyu erfüllt viele wichtige Funktionen: Es fördert vor allem die Integration. Viele der Moderatoren, die die deutsche und türkische Sprache perfekt beherrschen, sind Vorbild für die dritte und vierte Generation. Es spricht das deutsch-türkische Publikum Generationen übergreifend und Generationen verbindend an. Das kann man von den großen Öffentlich-Rechtlichen nicht behaupten.

Egal welche deutsche Zeitung man aufschlägt oder welchen Sender man einschaltet: Überall ist zu hören und zu lesen, die Türken mögen sich doch bitte integrieren. Doch wie soll das gehen, wenn die Politik ihnen falsche Signale schickt, wie bei der Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts, wonach Türken nicht mehr gleichzeitig den deutschen und türkischen Pass besitzen dürfen? Und wie soll das gehen, wenn das einzige noch bleibende Medienangebot in ihrer Sprache, das sich eben nicht an der Türkei, sondern an Deutschland orientiert, nun radikalen Sparplänen zum Opfer fallen soll?

Man darf sich fragen, was anstelle des türkischen Programms gesendet werden soll. Eine gute Stunde lang ein heller Piepton? Das wird es nicht sein. Wiederholungen? Die will niemand hören. Nachrichten und Beiträge auf Deutsch? Die laufen auf Funkhaus Europa ohnehin schon und auch auf genügend anderen Sendern des WDR.

In NRW leben rund eine Million Türken. Sie sind auch Zahler von Rundfunkgebühren. Die Bedürfnisse dieser Menschen können nicht ignoriert werden. Das deutschsprachige Morgenprogramm wird sie weniger interessieren als die Sendungen von Köln Radyosu.

Es war schon ein großer Schock, dass „Radio Multikulti“ in Berlin geschlossen wurde. Eine Kürzung der Sendezeiten von „Köln Radyosu“ wäre ein weiterer Schock. Denn das wäre integrationsfeindlich.

Nimet Seker

www.funkhauseuropa.de/sendungen/koeln_radyosu/index.phtml

 

Dieser Kommentar wurde veröffentlicht auf Gazelle Magazin.

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§ 5 Antworten auf Köln Radyosu

  • Rika sagt:

    @ „Nachrichten und Beiträge auf Deutsch?“

    Genau das!
    Vielleicht könnte man die Sendungen den unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten der Zuschauer anpassen und so die hier lebenden Deutschen türkischer Herkunft langsam aber sicher an die „Staatsbürgersprache“ heranführen, die in diesem Land DEUTSCH ist!
    Ich kann nicht einsehen, wieso man im Zeitalter des Satelitenfernsehens noch einen eigenen „türkischen“ Kanal im deutschen Fernsehen installieren sollte.
    Außerdem wäre es dem Spracherwerb der vielen DEUTSCHEN Kinder türkischer Herkunft sehr dienlich, wenn sie nicht nur in der Schule mit der Sprache ihres „neuen Vaterlandes“ vertraut gemacht würden…
    Und was die doppelte Staatsbürgerschaft angeht, die ist in Deutschland nun mal nicht vorgesehen. Man muss sich also entscheiden ob man die Segnungen Deutschlands als Deutscher genießen möchte oder doch lieber als Türke sozusagen „nur“ als Bewohner hier in Deutschland mehr oder weniger vorübergehend lebt mit der ständigen Sehnsucht nach der eigentlichen Heimat, die ja durchaus verständlich ist, aber schließlich ist die Türkei ja gleich um die Ecke und nicht am anderen Ende der Erde wie etwa Australien 😉

    Nach meinem Verständnis kann Integration doch nicht bedeuten, dass hier mehrere Gesellschaften parallel existieren! Integration erfolgt IN DIE DEUTSCHE GESELLSCHAFT und nicht in ein irgendwie gestaltetes Nirvana, in dem zufällig auch ein paar Deutsche leben!

  • Rika sagt:

    Es muss natürlich „Zuhörer“ heißen… weil ja von „Radio“ die Rede ist! Da ist mir im Eifer des Schreibens die Genauigkeit verloren gegangen!

    Tut mir Leid!

    Nichts desto trotz, fürs Radio gilt im Prinzip die gleiche Begründung wie für das Fernsehen… und über das „Hören“ prägen sich Rhythmus und Melodie einer Sprache ja noch viel besser ein als über das „Sehen“ 😉

  • TG sagt:

    Fräulein Rika, es ist aber wissenschaftlich erwiesen, dass diejenigen Kinder, die ihre Muttersprache gut beherrschen, auch eine andere Sprache besser und schneller lernen können. Das ist das Problem von vielen türkischen Jugendlichen in Deutschland. Sie beherrschen weder die türkische, noch die deutsche Sprache. Und übrigens: Bei den deutschen Jugendlichen schaut es leider Gottes auch nicht so gut aus. Die haben oft sogar noch ein kaputteres Deutsch…. Woran das wohl liegt?!

  • Rika sagt:

    „Ein kaputteres Deutsch“
    Klar!
    Kaputt ist kaputt und kaputter als kaputt geht gar nicht!
    Die Jugendsprache ist in der Tat ätzend, aber das hat wenig mit „kaputt“, aber viel mit Protest zu tun und wird sich irgendwann legen … weiß ich aus meiner mehr als 30-jährigen Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen.
    Dass die Rechtschreibung allerdings oftmals sehr zu wünschen übrig lässt, ist unbestreitbar und hat nicht in jedem Fall etwas mit Legasthenie zu tun (wie z.B. bei mir), sondern vielmehr mit zu wenig Lust am Lesen…
    Und Simsen und Chatten tragen leider nicht zur besseren Rechtschreibung bei, wohl aber zu kreativem Umgang mit Sprache und Ausdruck.

    Übrigens: „Wissenschaftlich erwiesen“ ist ein dehnbarer Begriff! Dazu müsste man doch die Studie genauer lesen, bevor sie zum Argument für türkisch sprachiges Radioprogramm wird ….

    Danke, dass Sie mich zum Fräulein machen, immerhin bin ich schon gut jenseits der 50 und Mutter von 4 Kindern!

  • […] Köln Radyosu « Nimet Seker – Journalistin und Islamwissenschaftlerin […]

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